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Tierhaltung auf der integrierten Farm


Von der 5. bis 12. Lebenswoche halten wir die Puten im transportablen kleinen Laufkäfig
Ein wesentlicher Punkt unseres Gesamtkonzeptes ist die Einführung einer Art Kreislaufwirtschaft. Abfälle aus der Obst- und Gemüseproduktion können als Tierfutter verwendet werden, der Dung der Tiere dient wiederum den Pflanzen als Dünger. Größter Kostenfaktor ist das Futter. Deshalb macht Tierhaltung  nur Sinn wenn billiges, aber gutes Futter vorhanden ist. Unser Ziel ist ambitioniert: Fleisch in quasi-Bioqualität zu niedrigeren Kosten und höheren Verkaufspreisen als Massenhaltungsprodukte herzustellen!

Wir haben bereits für unsere Mastschweine eigene Futtermischungen aus lokal verfügbaren Komponenten zusammengestellt. Dabei haben wir uns von Experten beraten lassen. Bislang konnten wir mit unseren Mischungen um 10-20% bessere Ergebnisse wie beim Fertigfutter erzielen, die Kosten liegen aber um ca. 40% niedriger. Das liegt u.a. daran das wir keine Konservierungsmittel und sonstige Chemikalien einsetzen.

Ein wichtiger Punkt bei unserem Konzept liegt darin, dass wir Tiere unterschiedlichen Alters gleichzeitig halten können. Damit könnte alle paar Tage eine Schlachtung stattfinden, was das Marketing enorm erleichtert. Wir werden auf diese Weise völlig unabhängig produzieren können und nicht wie die Massentierhalter zu Sklaven der Nahrungsmittelkonzerne degradiert.


Derzeit führen wir diverse Experimente in kombinierter Stallhaltung mit Auslauf im Freigelände durch. Auf diese Weise können wir den Platz unter den Zitronen- und Papayabäumen nutzen und gleichzeitig das Unkraut kleinhalten. Wenn die Baumkronen geschlossen sind und wegen der Beschattung dort kein Gemüse und Gras mehr wächst werden wir zusätzlich Zufütterungen durchführen. Auf jeden Fall spart diese Methode viel Geld für Stallbauten und die Tiere (Kühe, Ziegen und Puten) sind bislang alle kerngesund.

Es gibt eine enorme Nachfrage nach Fleisch von lokalen Rassen, die Preise sind ca. 10-20% höher. Hinzu kommt dass die Aufzucht im Vergleich zu den Hybrid-Rassen relativ problemlos ist da diese Tiere dem örtlichen Klima extrem gut angepasst sind und durch die Freilandhaltung sehr widerstandsfähig gegen Krankheiten werden.



Die lokalen Rinder-Rassen sind extrem widerstandsfähig, geben aber kaum Milch. Sie werden daher ausschließlich zur Fleischproduktion gehalten.



Ab dem 3. Monat sind die Puten sozusagen freilaufende Selbstversorger.

Die ersten Experimente mit Freiland-Puten verliefen sehr erfolgversprechend. Leider ist dieser Bereich zwischenzeitlich etwas vernachlässigt worden weil wir zuviele andere Experimente gleichzeitig laufen hatten. Dadurch ist es zu erheblichen Verlusten durch Schlangenbisse und Diebstähle gekommen.

Allerdings haben wir dennoch genügend Erfahrungen gesammelt um demnächst die Sache im etwas größeren Stil fortzusetzen. Ganz wichtig war die Erkenntnis das die Tiere bereits nach 10 Monaten das Schlachtgewicht erreichen und das Fleisch von allerbester bio-Qualität ist. 

Probleme mit Wurmerkrankungen gab es bislang nicht. Nach Auskunft von Experten liegt das an den im Papaya enthaltenen medizinischen Wirkstoffen. Von Zeit zu Zeit brüten die Hennen bis zu 20 Eier aus. Leider sind fast alle Küken den Hunden, Katzen und Schlangen zum Opfer gefallen. In einigen Wochen werden wir spezielle, geschützte Brutplätze, einen Auslaufstall und einen beheizten Brutkäfig für die ersten 4 Wochen bauen. 


Am 12.5.2011 fiel der Startschuß für das Schweinehaltungs - Projekt. Die Anlage ist für ca. 12 Mastschweine konzipiert und läßt sich durch Modulbauweise bei Bedarf beliebig erweitern. Unter dem Dach wird eine Art Lagerraum eingerichtet. Dort können Stroh, Futtermittel, Feuerholz usw. trocken gelagert werden. Die Tiere können rund um die Uhr entscheiden ob sie sich im Freien oder im überdachten Bereich aufhalten wollen.  So war das jedenfalls anfangs geplant...

Als der erste Regen kam verwandelten die Schweine den Aussenbereich  in eine Schlammwüste. Es wären teure Umbauarbeiten erforderlich geworden für die wir kein Geld hatten, also entweder komplette Überdachung oder zementierte Freifläche mit Einstreu. Deshalb ist der Aussenbereich seitdem für die Tiere gesperrt.

In der konventionellen Schweinemast erlöst 1 KG Lebendgewicht ca. 80 - 90 Peso ( 54 Peso = 1 EURO). Das ist mehr als in Deutschland. Wenn Hybridrassen ausschließlich mit gekauften Fertigfutter gemästet werden (ca. 25 - 42 Peso/KG) bedeutet das für den Farmer im besten Fall einen minimalen Gewinn von unter 5 Peso/KG, in der Regel ist es aber im Bereich zwischen Nullsummenspiel und Verlustgeschäft. Der Futteranteil an den Gesamtkosten beträgt über 70%, dann ca. 15% Löhne, 10% anteilige Gebäudekosten und 5% für Tierarzt, Medikamente, Wasser usw.

Mit unserem Konzept erhoffen wir uns in allen Bereichen (außer den Löhnen) erhebliche Kostenvorteile. Die Investitionskosten für das Gebäude liegen bei ca. 5.000 Peso pro Tier, das ist weniger als die Hälfte im Vergleich zu größeren, konventionellen Ställen. 

Der Hauptvorteil wird aber bei den Futterkosten liegen. Unsere Mischungen bestehen derzeit aus geschrotetem Mais, Bruchreis, Reiskleie, Molasse, Copra-Preßkuchen, Sojaschrot, Fischmehl und fermentierten Schnecken. Zusätzlich bekommen die Tiere regelmäßig Grünfutter, Gras- und Papayablattsilage, sowie Obst- und Gemüsereste. Ein erheblicher Anteil des Futters stammt also von der eigenen Farm.

Bislang hat es noch keine Erkrankungen oder Probleme wie Kanibalismus gegeben. Ausser der Pig-Cholera Impfung haben die Tiere keinerlei Medikamente bekommen. 



Hinter dem Auslaufstall befindet sich eine Kompostanlage zur Regenwurm-Zucht.

Weitere Tierhaltungs - Fotos und Infos

Video geruchsfreier Ferkelstall

Video Auslaufstall


Es sind je 12 qm überdachte und freie Fläche vorhanden, also Platz für ca. 12 Tiere. Der hintere überdachte Bereich wird für Trockenregale und Vermikultur genutzt oder evtl. später für Sauenhaltung. Die Konstruktion mit Betonpfeilern ist sicher gegen Erdbeben und Taifune bis 330 km/h.


Am 22.6.2011 haben die ersten 6 Gäste im "Grand Hotel Schweini" eingescheckt.


Handelsübliches Fertigfutter für Mastschweine. Da wir unsere Futtermischungen nur für den Eigenverbrauch herstellen wollen spielt die Haltbarkeit keine große Rolle.



In jeder Stallbox sind 2 Nipp-Wasserhähne angebracht, den Tieren steht also rund um die Uhr Trinkwasser zur Verfügung. Die Schweine koten ausschießlich in einer Ecke nahe der Trinkstelle. Als "Spielzeug" haben sich einige alte Kokosnüsse bestens bewährt.



Die überdachte Freifläche wurde inzwischen als Sauenstall umgebaut um eine eigene Ferkelzucht zu beginnen.

Ein anderes großes Thema ist die Verwertung der Exkremente. Wir bereiten derzeit mehrere Experimente mit Mist, Gülle/Holzkohlekombination sowie Vermiculture (Regenwurm-Humus) vor. Dies wird ein entscheidender Faktor bei der Schaffung einer kompletten Kreislaufwirtschaft.

Auch wenn es auf den Philippinen kaum gesetzliche Auflagen bei der Tierhaltung gibt versuchen wir von Anfang an so umweltschonend wie möglich zu arbeiten. Das ist allerdings angesichts unseres nur minimalen Budgets oftmals leichter gesagt als getan. Auf jeden Fall wird dieser Aspekt mit zunehmender Größe der Anlage immer wichtiger.

Am 13.10.2011 wurde das erste Schwein geschlachtet. 180 Tage alt und 80 KG Lebendgewicht, also fast die Werte wie bei den Hybridrassen in der Massentierhaltung. Allerdings war das Fleisch erheblich besser.

Ende Oktober 2011 begann ein weiteres, wichtiges Experiment: Der Umbau eines bestehenden Hinterhofstalls auf die neue Einstreumethode, siehe Foto unten. Damit wird eine nahezu geruchsfreie Schweinezucht ermöglicht. Der Stall hat eine Grundfläche von ca. 8 qm und ist mit Nipptränken ausgestattet. Der erste Versuch begann mit 8 abgesetzte Ferkel die sich offenbar pudelwohl fühlen.

Traditionelle Hinterhofställe haben keinen Einstreu, die Tiere koten auf den Betonboden der täglich mit Wasser ausgespritzt wird. Die Gülle fließt dann durch Löcher unten in der Außenwand einfach nach draußen und versickert dort. Das Futter wird einfach auf den Boden geschüttet, die Tränke besteht zumeist aus einer Wanne aus Zement.

Bei dem Umbau wurden Im Tür- und Abflußbereich ca. 40 cm hohe Mauern gezogen die verhindern das der Reishülsen-Einstreu nach draußen gelangt. Dann wurden noch Nipp-Wasserhähne und Futtertröge eingebaut. Gesamtkosten des Umbaus ca. 100 EURO.

Während der Trockenzeit lief dieses Experiment sensationell gut. Das änderte sich aber mit Beginn der Regenzeit. Durch Starkwinde gelangten große Mengen Regenwasser in den Stall. Das führte zu Fäulnisbildung bei dem Einstreu.  Diese Art der Stallhaltung ist also nur möglich wenn das Dach groß genug ist um seitlichen Regeneinfall abzuhalten. Bei bestehenden Anlagen wäre es extrem aufwändig die Dachkonstruktion entsprechend zu ändern.



Unser erster Silage-Versuch. Das Material besteht aus geschredderten Bananenblättern und essbaren Unkräutern die zuvor 24 Stunden luftgetrocknet wurden. Das ganze wird dann mit ca. 1% verdünnte Molasse vermischt. Eine Lage sind ca. 5 KG und das entspricht eine Tagesration für unsere 12 Schweine denn die Silage kann wegen dem hohen Rohfaseranteil nur in geringen Mengen verfüttert werden.

Im Boden der Tonne sind einige kleine Löcher gebohrt damit eventuelles Sickerwasser abfließen kann.

Mit einer stabilen Sperrholzscheibe und Körpergewicht wird jede Lage einzeln komprimiert. Als Zwischenraum nach jeder Lage wird eine ca. 3 cm dicke Schicht Reiskleie in das Faß gefüllt. Inzwischen haben wir eine manuelle Preßvorrichtung gebaut.

Es passen ca. 60 KG in die Plastiktonne. Zuletzt wird noch einmal Reiskleie nachgefüllt bis ein bündiger Abschluß erreicht ist. Danach wird das Faß luftdicht mit einer Plastikplane verschlossen.