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Bäume pflanzen


Meine Frau Eda freut sich schon auf eine leckere Papaya zum Nachtisch...
Bäume bilden nicht nur das langfristige wirtschaftlich Rückgrat unseres Farm-Projekts, sondern sie dienen gleichzeitig als Wind- und Insektenschutz sowie als zusätzliche Verstärkung der Einzäunung.

Wir verwenden nur örtlich angepasste Baumsorten die für Mischkulturen geeignet sind und die möglichst viele verwertbare Bestandteile besitzen, also neben dem Holz und den Früchten auch noch essbare Blätter usw.

Bislang sind etwa 3-4 Hektar der Farm mit Calamansi- Papaya- und Moringabäumen bepflanzt. Mit Beginn der Regenzeit im Juli 2010 haben wir weitere 2 Hektar mit ca. 100 Pilinuß-, Pomello-, Mahagoni-, Rambutan- sowie ca. 30 Neem-Bäume und 45 Makapuno-Palmen gepflanzt. Hier hat es allerdings zahlreiche Ausfälle gegeben denn nicht jede Baumart ist für diese Wetterverhältnisse geeignet. Da wir von Anfang an zeitversetzt die einzelnen Sektoren bepflanzt haben werden wir auch rund ums Jahr ernten können. Damit vermeidet man das Riesenproblem, die gesamte Ernte zu niedrigen Preisen verkaufen zu müssen.


Das hört sich alles gut an, allerdings steckt der Teufel im Detail. Zwischen der Pflanzung eines Setzlings und einem fruchttragenden Baum liegen mehrere Jahre verbissener Kampf gegen fiese Unkräuter aller Art. Ehrlich gesagt hatten wir dieses Problem anfangs völlig unterschätzt und die Gegenmaßnahmen haben ein tiefes Loch in unsere Kasse gerissen.

Inzwischen haben wir das Problem einigermaßen im Griff. Zunächst haben wir das abgemähte Unkraut getrocknet und dann damit eine Mulchschicht um die Stämme der Calamansibäume aufgeschichtet. Das hält den Boden feucht, unterdrückt den Unkrautwuchs und zieht Regenwürmer an, was wiederum Dünger einspart. Die Bäume sind in 3,5 Meter Abstand versetzt gepflanzt. In die Mitte des imaginären Dreiecks dreier Calamansibäume pflanzen wir derzeit jeweils eine Papayastaude. Die wachsen sehr schnell und sorgen durch die Bodenbeschattung ebenfalls für eine Reduzierung des Unkrauts. In den verbliebenen freien Flächen experimentieren wir mit verschiedenen Gemüsesorten, die im Halbschatten gedeihen können und deren Blätter für zusätzliche Beschattung sorgen.

Die Mischkultur mit den Papayas hat hervorragende Ergebnisse gebracht. Inzwischen sind die Calamansibäume so groß sind dass sie eine geschlossene Krone bilden. Das reduziert den Unkrautwuchs.  Seit Frühjahr 2012 sind dort jetzt ca. 12 Kühe und 6 Ziegen als "Rasenmäher" im Einsatz.


Calamansi Baum mit Ringmulch aus getrockneten Unkraut



Ernte von Moringa-Blättern
Moringa ist ein schnellwachsender, tropischer Baum, dessen gesamte Bestandteile einen Nutzwert haben. Vor allem die Blätter besitzen extrem hohe Anteile an Vitamine (insbesondere Vitamin A), Proteine und Mineralien.

Den vollen Vitamingehalt haben allerdings nur frisch gepflückte Blätter, die innerhalb weniger Stunden zubereitet werden. Bei getrockneten Blättern wird eine hohe Qualität nur dann erreicht, wenn die Blätter innerhalb Stunden nach der Ernte in speziellen Trockenanlagen behandelt werden, die eine saubere Trocknung ohne Sonnenlicht gewährleisten.

Sobald unsere Trockenanlage in Betrieb ist werden viele örtliche Kleinbauern ihre Brachflächen mit Moringa bepflanzen, da erstmals ein geordnetes Marketing möglich wird. Die Nachfrage für hochwertiges Moringapulver ist weitaus höher als das Angebot. Das gilt auch für andere Bestandteile wie z.B. die Samen, Blüten und Wurzeln. Diese zusätzlichen Einnahmen werden positive Auswirkungen auf die lokale Wertschöpfung haben.

Wir verwenden Saatgut von einer in Indien neu gezüchteten Moringasorte, die erheblich höhere Erträge bringt als die lokalen wildwachsenden Arten. Die Bäume benötigen weder Kunstdünger noch Insektizide.


Im Mai 2011 haben wir mit dem Aufbau einer eigenen Baumschule begonnen. Das war schon seit langem geplant, konnte aber erst umgesetzt werden nachdem wir endlich qualifizierte Mitarbeiter gefunden hatten.  Vor allem die Veredelung der Setzlinge erfordert großes Geschick und viel Erfahrung.

Im Februar 2011 haben wir einige Kilo Samen von einer neuen Calamansi-Sorte bekommen die besonders robust und ertragreich ist. Die daraus entstandenen Setzlinge, per November 2011 ca. 8.000 Stück, werden mit kleinen Teilen ausgesuchter lokaler Zitronen- und Orangenbäume veredelt. Insgesamt werden es wohl über 12.000 Setzlinge werden und wir bekommen demnächst eine neue Lieferung der Spezial-Samen.

Die Pflanzbeutel sind mit einer selbstentwickelten, holzkohlehaltigen Erdmischung gefüllt. Diese Mischung kommt später auf der Plantage auch in die Pflanzlöcher. Damit wird ein optimales Anwachsen der Setzlinge erreicht. Bei der neuen Samen-Lieferung werden wir direkt in die Beutel aussähen um eine vollständige Unversehrtheit der Wurzeln beim Auspflanzen zu garantieren.



 

Mitte Oktober 2011: Ca. 5.000 Calamansi-Setzlinge sind bereits vom Saatbeet in Pflanzbeutel umgesetzt.



Befüllung der Pflanzbeutel mit einer speziellen Erdmischung
Neben den Zitrusbäumen produzieren wir noch einige andere lokale Baumsorten und Gemüsesetzlinge, demnächst werden auch noch Neem-Bäume hinzukommen.


Das Baumschulprojekt passt hervorragend in unser Gesamtkonzept. Über 90% der Gesamtkosten bestehen aus Löhnen und örtlich hergestellten Materialien.
Ein weiterer großer Vorteil besteht darin das die Arbeiter auch bei Regenwetter etwas tun können. Das ist wichtig da die Baumschul-Mitarbeiter per Stücklohn bezahlt werden und somit über ein gesichertes Monatseinkommen verfügen.

Probleme mit Schädlingen, Diebstahl, Tierverbiß etc. hatten wir glücklicherweise noch nicht. Im Dezember 2012 werden die ersten Setzlinge  auf ca. 1,5 Hektar ausgepflanzt. Dann werden wir von Anfang an neue Pflanzmethoden anwenden um das Unkraut in Schach zu halten, u.a. mit Cover Crops, Mulchfolie und Mischkultur mit Kürbissen.


Im August 2011 hatten wir ein Experiment mit extrem hohen Potenzial gestartet. Ein ca. 20 qm großes Gemüsebeet wurde mit einer Konstruktion aus Bambus und alten Reissäcken ca. 1 Meter hoch winddicht umzäunt, nach oben offen. Damit soll verhindert werden dass das nachts von den Pflanzen abgegebene CO2 weggeweht wird, sich also die CO2-Konzentration in Bodennähe deutlich erhöhen kann.

Das hat ganz offensichtlich funktioniert, wir haben je nach Gemüsesorte 40-60% besseres Wachstum im Vergleich zum Kontrollbeet gemessen! Es gab auch deutlich weniger Schäden durch Fluginsekten. Wegen eines Taifunschadens mußte der Versuch nach ca. 2 Monaten abgebrochen werden.

Seit Ende Oktober 2011 haben wir eine neue, taifunsichere Anlage von 5 x 5 Meter nebst Kontrollfeld in Betrieb. Hier haben wir mehr als 10 verschiedene Baum- und Gemüsearten sowie Mais erfolgreich getestet.  Seitdem werden alle Baum-Setzlinge in dieser Anlage vorgezogen.
 

 Unsere Praktikantin Juliane, Agrarstudentin aus Deutschland, leitet das CO2-Experiment mit großem Engagement.