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Verzeichnis von privaten Philippinen Hilfsprojekten

Autor: Jochen Binikowski

Stand: 12.12.2009

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Die Holzkohle - Projekte

Die Grundidee

Terra Preta ist die holzkohlehaltige schwarze Erde, die vor Jahrhunderten von den Indios im Amazonasgebiet angelegt wurde und bis heute aus noch nicht völlig erforschten Gründen hervorragende Ernteergebnisse ohne Kunstdünger erreicht. Voraussetzung aller Terra Preta Experimente ist das Vorhandensein billiger und umweltfreundlich hergestellter Holzkohle. Die hier gezeigten Methoden stellen den aktuellen Stand unserer Experimente dar. wir arbeiten mit Hochdruck an Optimierungen.

Der Stand der Dinge

Die Experimente zur Brikett-Herstellung laufen auf Hochtouren. Die ersten Zwischenerbnisse sind sehr ermutigend: Die Holzkohle-Briketts aus Maiskolben, Bambus, Palmenästen, Kokos-Schalen und Maispflanzen haben einen Brennwert wie reguläre Holzkohle. Die Reishülsen dagegen haben nur einen Kohlenstoff-Anteil von ca. 42%, der Rest ist überwiegend Silizium (SiO2). Deshalb ist der Brennwert entsprechend niedriger. Bei unserer Meilermethode werden die Reisspelzen in jedem Fall gebraucht um eine gleichmäßige Abdeckung und Auffüllung der Zwischenräume zu gewährleisten.

Die Reishülsen fallen in riesigen Mengen an, es gibt z.Z. keine nennenswerte kommerzielle Verwendung dafür. Deshalb transportieren die Reismühlen das Material mit Kipplastern zu den Halden, die dann bei trockenem Wetter einfach abgebrannt werden. Das bedeutet, wir können die Reishülsen frei Haus angeliefert bekommen! Nach unseren Schätzungen dürfte es um ca. 10.000 Tonnen pro Jahr gehen, die im entsprechendem Umkreis pro Jahr anfallen. Die Reismühlen arbeiten fast immer, es gibt keine extremen saisonalen Unterschiede. Alleine aus diesen Mengen an Reishülsen könnten ca. 4.000 Tonnen Holzkohle-Briketts hergestellt oder bei 1.000 Hektar Ackerland eine Bodenverbesserung erreicht werden. Es wäre denkbar, auch Reishülsen von weiter entfernten Reismühlen zu bekommen, nur müssten wir dann vermutlich einen Teil der Transportkosten bezahlen. Damit könnte aber die Menge mindestens um 500% erhöht werden. Eine weitere Alternative wäre, unsere Technik und Know-How per Franchising oder ähnliche Kooperationsvereinbarungen and interessierte Unternehmer oder Organisationen in anderen Gegenden weiterzugeben und ggfls. ein zentrales Marketing zu organisieren.

Holzkohle

Ein zentrales Element unserer Arbeit ist die Verwendung von Holzkohle. Zum einen als Bodenzusatz in Verbindung mit Kompost, um den PH-Wert zu erhöhen, die Wasserspeicherung zu verbessern und die Bodenorganismen zu begünstigen. Diese Art der Bodenverbesserung ist unter dem Begriff Terra Preta bekannt, eine Technik der alten Amazonas-Indios. Heutzutage laufen weltweit diverse Forschungsprojekte und wir stehen mit zahlreichen Wissenschaftlern in engem Kontakt. Am Ende könnte im Erfolgsfall ein vollständiger Ersatz des Kunstdüngers stehen. Mit allen positiven Auswirkungen wie Einsparung fossiler Energien und Reduzierung des CO2-Ausstoßes sowie einer dauerhaften CO2-Bindung im Boden.

Neben Reis wird in unserer Gegend auch noch Mais, Zuckerrohr, Abaca (Manila Hanf), Mangos, Zitronen, Kokosnüsse, Bambus und Gemüse angebaut. Auch dort fallen große Mengen organische Abfallstoffe an. Z.Z. arbeiten wir noch an Schätzungen über die Mengen. Mit (ausgepuhlten) Maiskolben, Maispflanzen, Kokusschalen, Bambus sowie Tischlereiabfällen haben wir bereits experimentiert und hochwertige Holzkohle-Briketts hergestellt.

Dazu haben wir die sog. "Kiln-Method" zur Pyrolyse ausprobiert, also die Herstellung von Holzkohle in geschlossenen Metallbehältern. Die Hitze wird mit Reishülsen erzeugt.

Abwärme / Trockenanlage

Es kommt noch ein ganz wesentlicher Aspekt hinzu: Die beim Meilervorgang entstehende Prozeßwärme lässt sich u.a. für eine Getreide-Trockenanlage nutzen. Auch müssen die Holzkohle-Briketts unabhängig von den Wetterverhältnissen rund um die Uhr getrocknet werden können. Hier steckt der Teufel in technischen Details.

Es gibt hier viel zuwenige kommerzielle Trockenanlagen. Das führt insbesondere während der Regenzeit zu enormen Nachernte-Verlusten durch Verrotten sowie finanzielle Einbußen durch niedrige Ankaufspreise. Der Roh-Reis wird normalerweise auf der Strasse in der Sonne getrocknet. Ein extrem mühsames Geschäft, da bei Sonnenschein mit einem Rechen ständig umgeschichtet werden muß, um eine gleichmäßige Trocknung zu gewährleisten. Wenn sich dann ein Regenschauer ankündigt, muß der Reis schnell in die Säcke geschaufelt und an einen trockenen Platz gebracht werden. Der Reis kann nur innerhalb von 3 Tagen geerntet werden. Zu früh = noch nicht reif und reift auch im Lager nicht nach, zu spät = die Reiskörner fallen bei der Ernte aus den Ähren und sind verloren.

Dies führt während der Regenzeit (tagelang keine Sonne) regelmäßig zu finanziellen Katastrophen bei den Kleinbauern. Die Reismühlen kaufen dann wegen der mangelnden Trocknerkapazität den nassen Roh-Reis entweder gar nicht oder nur zu absoluten Niedrigstpreisen an. Lagern kann man den nassen Reis auch nicht, der verfault nach wenigen Tagen. Also arbeiten die Kleinbauern in diesen Fall mitsamt der Familie rund um die Uhr in ihrer Hütte daran, den Reis in Handarbeit hin und her rieseln zu lassen um damit eine Lufttrocknung zu erreichen. Das während dieser Zeit die Kinder zu müde für die Schule sind ist ein weiterer unerfreulicher Aspekt. Man kann das aber nicht kritisieren, diese Menschen kämpfen täglich um ihr Überleben, es gibt keine Sozialhilfe oder Hartz IV.

Wirtschaftliche Aspekte

Die Problematik mit der herkömmlichen Urwald-Holzkohlegewinnung ist wesentlich schlimmer als zunächst angenommen: Es werden nicht nur Äste und sonstige Kleinteile der Bäume verwendet. Nein, auch große Bäume fallen den Köhlern zum Opfer: Der Baum wird ringsum von der Borke entfernt, stirbt also ab und trocknet aus. Dann machen die Jungs untenrum ein Feuer, nach einiger Zeit kippt der Baum um. Ganz ohne verräterisch laute Kettensäge...

Die Ausgangssituation ist der erzielbare Preis für die Briketts. Z.Z. gilt folgendes Energie-Preisgefüge hier vor Ort,
1 EURO = ca. 65 Peso:

BrennstoffMJ/KGKW/h KGPeso/KGPeso KW/h
Haushalts - Strom...12,00
LPG Gas (Propan/Butan)5013605,60
Diesel / Kerosin4610485,60
Holzkohle (Trockenzeit)307,881,50
Holzkohle (Regenzeit)307,8152,20
Feuerholz (Trockenzeit)19431,00

Diese Preise muß man im Verhältnis zur Einkommenssituation der Menschen sehen: Verkäuferin 80 Peso / Tag, Landarbeiter 120 Peso/Tag, Vorarbeiter in der Reismühle 250 Peso / Tag, Lehrer an Privatschule 5-8.000 Peso / Monat, qualifizierter Handwerker 300 Peso / Tag. Die Familien sind aber in der Regel sehr groß, es gibt fast immer mehrere Einkommen. Hinzu kommt, dass es in fast jeder Familie Leute gibt, die im Ausland leben und jeden Monat etwas Geld schicken. Daher ist der allgemeine Lebensstandard im Verhältnis zu anderen Dritte Welt Ländern relativ hoch. Es verhungert hier zwar niemand mehr, das Leben ist aber dennoch extrem hart.

Holzkohle aus Reishülsen

Der Brenner besteht aus einer alten, durchlöcherten Blechbüchse, der Schornstein ist abnehmbar und die Öffnung lässt sich regulieren

Holzkohle aus Reishülsen

Es wurden 20 Säcke Reishülsen verarbeitet. Nach ca. 16 Stunden verfärbt sich die Oberfläche schwarz und der Schwelbrand muß mit Wasser gelöscht werden. Wird zu spät gelöscht, brennt der Haufen einfach ab...

Holzkohle aus Reishülsen

Das Endprodukt besteht aus Holzkohle, Asche und unverbrannten Reishülsen, fertig für das Ausbringen auf dem Acker.

Kiln-Method: Holzkohle Produktion in Metallbehältern

Haushaltsüblicher Holzkohleherd. Über 80% der ländlichen Haushalte benutzen Holzkohle oder Feuerholz zum Kochen.

Ich habe im Februar 2007 die durch den Taifun verursachten Verschüttungen durch Erdrutsche am Mt. Mayon (ca. 2.500 Meter hoch, kahlgeschlagen, ca. 60 KM Luftlinie von uns entfernt) gesehen. Das war der ultimative Albtraum. Wenn unser Projekt dazu beiträgt, derartige Horror-Szenarien in Tigaon zu verhindern, haben wir gewonnen!