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Wenn es uns gelingt, Gemüse in größeren Mengen herzustellen werden wir Versuche mit Tierzucht beginnen, um die Pflanzenabfälle als Futter zu verwerten.

Gleichzeitig werden Dung und Schlachtabfälle ein wichtiger Grundstoff für organischen Dünger werden.

www.helpdirect.org

Verzeichnis von privaten Philippinen Hilfsprojekten

Autor: Jochen Binikowski

Stand: 12.12.2009

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Die Gemüse Experimente

In Tigaon wird traditionell nur wenig Gemüse angebaut. Das liegt u.a. an den ungünstigen Wetterbedingungen wie Taifune, Starkregen und Dürreperioden. Hinzu kommt dass seit Jahrzehnten fast alle Farmer sich auf Reis, Mais und Zuckerrohr konzentrieren. Deshalb stammt das Gemüse auf den lokalen Märkten überwiegend von weit entfernten Bergregionen und ist entsprechend teuer und mit Chemikalien belastet. Weiterhin gibt es enorme saisonale Unterschiede in Bezug auf Angebot und Preise.

Seit 2006 experimentieren wir mit zahlreichen Sorten, Erdmischungen und Anbaumethoden. Die Sache ist erheblich komplizierter als ursprünglich angenommen. Es gab am Anfang mehr Frustration als Erfolgserlebnisse. Wir haben in einigen Fällen nach wie vor Probleme, die Fehlversuche zu analysieren, denn es ist extrem verwirrend: Was vor einem Jahr problemlos wuchs, geht plötzlich nicht mehr, andererseits bringen Wiederholungen von Fehlversuchen mit einem Mal gute Ergebnisse.

Vieles, was wir hier ausprobieren steht in keinem Buch bzw. es gibt keine Erfahrungswerte für unsere Gegend. Try and Error. Neben klimatischen Bedingungen spielen auch Pflanzenschädlinge eine große Rolle, dazu die Tatsache dass hier kaum ein Arbeiter eine entsprechende Ausbildung besitzt. Deshalb haben wir in 2008 damit begonnen, die potentiellen Probleme systematisch Stück für Stück anzugehen.

Zunächst haben wir verschiedene Erdmischungen intensiv getestet und dabei ein vielversprechendes Ergebnis erzielt. Insbesondere konnten wir ein Hauptproblem, den hohen Säuregehalt des Bodens (PH 5,5) beheben. Unsere Mischung hat jetzt 6,5 (das ist fast PH-neutral und optimal für fast alle Gemüsesorten) und bislang wächst alles was wir ausgesäht haben. Die genaue Zusammensetzung der Pflanzerde werden wir bekanntgeben, wenn die Experimente weiter fortgeschritten sind. Auch verwenden wir nur noch philippinisches Saatgut, da nur so die Keimfähigkeit gewährleistet ist. Beim Saatgut aus Deutschland gab es immer wieder Probleme mit überlagerung.

Als nächstes haben wir die Versuche auf der ca. 1 Hektar großen Experimentierfarm völlig neu organisiert. U.a. ist das Grundstück jetzt besser eingezäunt und wir haben das Personal gewechselt. Damit stellen wir sicher, dass es weniger Schäden durch diebische Nachbarn, Haustiere sowie nichtanwesende Mitarbeiter gibt.

Bei den vorherigen Freiland-Pflanzungen gab es erhebliche Schäden durch Würmer, Larven und anderes Bodengetier. Jetzt pflanzen wir grundsätzlich nur noch in Säcke und Töpfe, gefüllt mit unserer Erdmischung. Dadurch stellen wir eine kontrollierte und gleichmäßige Grundlage sicher. Wir versuchen, soweit wie möglich ohne Pestizide und Kunstdünger auszukommen. Bislang haben wir mit dieser Methode 36 Gemüsesorten getestet und die Ergebnisse werden immer besser. Einige Sorten wachsen bereits 100% biologisch, bei anderen werden nur noch geringe Mengen Pestizide benötigt. Diese Art der Pflanzung erscheint extrem vielversprechend. Weiterhin haben wir spezielle Erdmischungen für die Saatkästen ausgetüftelt. Genmanipuliertes Saatgut ist selbstverständlich Tabu. Ansonsten sind wir aber für alle zielführenden Maßnahmen und Techniken offen.

Dabei stehen Techniken im Vordergrund, die eine Ernte ausserhalb der üblichen Saison ermöglichen. Es gilt also, die Pflanzen u.a. vor Starkregen und Taifune zu schützen. Am Ende der Taifunsaison liegen z.B. die Preise für Tomaten mindestens doppelt so hoch wie zur Hauptsaison. Deshalb ist es kein Problem, wenn dieses speziellen Anbautechniken mit etwas höheren Kosten verbunden sind.

Entscheidend ist am Ende auch, dass sich Erfolge reproduzieren lassen. Deshalb wird jedes Detail in Wort und Bild dokumentiert. Wir stehen inzwischen in Verbindung mit Experten im In- und Ausland und haben auf diese Weise schon viele hilfreiche Informationen erhalten.

Inzwischen hat auch die Gemeinderegierung das Potential von Gemüseanbau erkannt und eine Gemüsefarmer-Vereinigung ins Leben gerufen. Diese veranstaltet regelmäßig Schulungen und es wird gratis- bzw. kostengünstiges Saatgut verteilt. Wir sind natürlich aktiv mit dabei und es gibt bereits erste positive Entwicklungen. Vor allem wird es die Experimente auf viele verschiedene Schultern verteilen, was den kommerziellen Anbau beschleunigen wird.

Geplant ist eine koordinierte Vermarktung. Dies ist ein ganz wichtiger Punkt, denn bislang sind die Farmer dem Preisdiktat der Aufkäufer schutzlos ausgeliefert. Der Verkauf soll so marktnah wie möglich erfolgen, also Nachbarschaft, örtliche Märkte in Tigaon und Umgebung sowie für Premium-Produkte Restaurants in den nahegelegenen größeren Städten. Dies vermeidet hohe Kosten für Transport, Lagerung, Haltbarmachung und natürlich entfallen die Handelsspannen der Zwischenhändler. Gleichzeitig kann auf diese Weise den Verbrauchern stets frische Ware zu moderaten Preisen angeboten werden.

Sollte alles wie geplant laufen, könnte die Einkommenssituation der Menschen drastisch verbessert werden. Die Versuche gehen ja nicht nur in Richtung kommerzieller Anbau, sondern zielen auch auf Privathaushalte, die sich im Garten etwas eigenes Gemüse anbauen wollen. Wenn die Gesamt - Produktion eine gewisse Größe erreicht, sind Dinge wie Weiterverarbeitung zu Fertigprodukten und damit eine extrem hohe lokale Wertschöpfung möglich.

Komposthaufen zusammengesetzt aus Reisstroh, Reishülsen, Asche, Holzkohle, Tierdung und Humuserde

Tomaten in Reissäcke gepflanzt. Der Platz liegt im Halbschatten und ist gegen Taifune geschützt

78 Tage später. Die ersten Tomaten sind zwar geerntet, aber es gab bei dieser ersten Versuchspflanzung massive Probleme, aus denen wir aber viel gelernt haben. Die aktuelle Pflanzung läuft schon wesentlich besser.

Auf meinem Balkon versuche ich herauszufinden, wie sich bestimmte Pflanzen bei nur geringer Sonneneinstrahlung und ohne Starkregen verhalten. Alle Töpfe und Säcke sind mit unserer Erdmischung gefüllt.

1. Bohnen in aufgeschnittenen 1,5 Liter Plastikflaschen. Die mittlere Pflanze ist zusätzlich mit BIO-N gedüngt.

2. Tomate "MARGLOBE" in Mischkultur mit Feldsalat und Squash, 73 Tage nach Aussaat

3. Tomate "MARGLOBE" in Mischkultur mit Endivensalat, 73 Tage nach Aussaat

4. Tomate "MARGLOBE" in Mischkultur mit Karotten, 73 Tage nach Aussaat

5. Kartoffeln (Sorte unbekannt), 67 Tage nach Aussaat. Rankt schon aussen am Balkongitter

Bei diesem Vergleichs-Experiment habe ich je 8 Becher mit unserer Erdmischung (hintere Reihe) und kommerzieller Pflanzerde aus Deutschland mit je 2 Erbsen-Samen bepflanzt. Das Foto ist 9 Tage nach der Aussaat entstanden. In unserer Mischung sind die Pflanzen deutlich größer, allerdings haben nur 14 gekeimt, bei der Erde aus Deutschland dagegen alle 16.

Ein kleines Video über das Plantagen - Projekt:

Video über die Experimentier-Farm: