Flagge Philippinen Das Philippinen Projekt der etwas anderen Art: Handeln statt reden! Flagge Philippinen

Anbau von Gemüse


Tomatensetzling im Plastik-Pflanzsack mit Strohmulch
Obwohl es auf den Philippinen das ganze Jahr tropisch warm ist, gibt es dennoch unterschiedliche Jahreszeiten: Trockenzeit von Januar bis Juni mit gelegentlichen Dürren, Regenzeit von Juli bis Dezember mit zeitweilig enormen Niederschlägen und alle paar Jahre ein schwerer Taifun.

In der Trockenzeit ist der Gemüseanbau relativ problemlos, sofern eine Bewässerung vorhanden ist. Allerdings sind dann die Preise für die meisten Gemüsesorten derart niedrig, dass sich ein Anbau oftmals nicht wirklich lohnt.

In der Regenzeit sind die Preise hoch, teilweise höher als in Europa. Allerdings ist der Anbau unter diesen Bedingungen eine Wissenschaft für sich. Die Hauptprobleme sind durch Dauerregen verursachte Staunässe und Pilzerkrankungen. Es hat uns viele Recherchen und Experimente gekostet bis wir eine Methode gefunden hatten, mit der fast alles unter den genannten Widrigkeiten wächst.

Genaugenommen ist es eine Kombination von ca. 20 Einzelmaßnahmen die den Erfolg bringt. Auf dem Foto links erkennt man die Verwendung von Pflanzsäcken. Diese haben unten Löcher aus denen das überschüssige Wasser abfließt. Die Mulchschicht verhindert eine zu starke Bodenkomprimierung bei Starkregen und unterdrückt den Unkrautwuchs. Damit ist das Staunässe-Problem gelöst.

Richtig kompliziert wird es bei der Pilz-Vermeidung, also z.B. Braunfäule bei Tomaten. Eine komplette Beschreibung ist an dieser Stelle noch nicht möglich, da wir ehrlich gesagt teilweise selber noch nicht wissen warum es funktioniert. Sozusagen das Prinzip "Dümmster Bauer erntet die größten Kartoffeln". Es hat aber auf jeden Fall etwas mit unserer speziellen Erdmischung, Pflanzabständen, Mischkultur und diversen Pflegemaßnahmen zu tun. Es wäre ein lohnendes Feld für Agrar-Wissenschaftler, die genauen Wechselwirkungen zu erforschen.

Leider lassen sich die meisten der erfolgreichen Methoden nicht im kommerziellen Anbau umsetzen da vor allem der Lohnkosten-Aufwand zu hoch ist. Dennoch haben sich viele unserer Experimente im Ort rumgesprochen und werden von Kleingärtnern usw. angewendet.


Am Anfang ist das Saatkorn. Hier gehen die Probleme schon los. Welches Saatgut zu welcher Jahreszeit? Diese wichtige Frage haben wir in den Griff bekommen, weil wir nur professionelles Saatgut von philippinischen Herstellern bzw. Importeuren verwenden und diese einfach um Rat gefragt haben. Die Saatgutfirmen haben daraufhin Techniker zu uns geschickt und uns zu Seminaren eingeladen. Wenn immer wir ein Problem haben, Anruf oder Email genügt. Inzwischen führen wir für diese Firmen Versuchspflanzungen mit unseren Methoden durch. Das bedeutet nicht nur kostenloses Saatgut, Dünger usw., sondern vor allem Zugang zu Expertenwissen.

Während der Regenzeit haben wir folgende Gemüsesorten bislang erfolgreich angebaut: Tomaten, Auberginen, Chili, Buschbohnen, Stangenbohnen, Ampalaya (Bittergurken), Salat, Zuckermais, Squash und Upo (Flaschenkürbis).

Die Frage nach der Taifunfestigkeit unserer Pflanzmethoden ist noch weitgehend unbeantwortet, da es seit 2006 keinen Monstertaifun mehr gab. Im Oktober 2009 hatte ein Kategorie 3 Taifun genau bei uns Landfall, ca. 120 KM/h Spitzengeschwindigkeit. Die Schäden waren glücklicherweise nur minimal.


In unserer Nursery werden die Setzlinge vor Vögeln und anderen Tieren geschützt aufgezogen.



Inzwischen haben wir einen motorisierten Mixer für die Herstellung unserer Erdmischung
Wir haben mehrere Jahre experimentiert bis wir die optimale Zusammensetzung unserer Erdmischung herausfanden. Hauptbestandteile sind Holzkohle, Asche, Tierdung und Humuserde. Die genaue Zusammensetzung ist noch "großes Betriebsgeheimnis". Das hat nichts mit eifersüchtiger Geheimniskrämerei zu tun sondern ist der Tatsache geschuldet, dass wir noch nicht genügend Erfahrung mit der Langzeitwirkung haben.

Im Prinzip ist es ähnlich wie die legendären, fruchtbaren Terra Preta Böden der Amazonas-Indios. Der Unterschied besteht vor allem darin, dass wir zwar versuchen soweit wie möglich "Bio" zu produzieren, daraus aber keine Religion machen. Viel wichtiger ist was die Kunden wollen, nämlich frisches Gemüse aus lokaler Produktion. Hier in der philippinischen Provinz ist die Kaufkraft relativ gering und die Leute sind nicht bereit für Bio-Produkte höhere Preise zu zahlen. Danach müssen wir uns richten, andernfalls würde unser Projekt zu einem finanziellen "Dauerpflegefall".

Durch die Verwendung von Holzkohle wird unsere Methode zu einer echten CO2-Senke. Dies ist allerdings nur ein Nebeneffekt ohne finanzielle Auswirkungen. Gemäß dem Kyoto-Protokoll ist diese Technik ausdrücklich vom Emissionshandel ausgeschlossen. Es wäre ja auch noch schöner wenn statt der Wall Street Spekulanten und Großaktionäre auch noch Dritte Welt Kleinbauern etwas von den Zertifikate-Milliarden abbekämen.