Krankenhaus für Tigaon e.V. - Philippinen Hilfsprojekt seit 1986

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Das Landwirtschafts - Projekt

Anfang Februar 2006 haben wir das seit langem geplanten Gemüseprojekt gestartet. Wir konzentrieren uns auf Sorten, die es entweder gar nicht oder nur für extrem teuer auf den Philippinen gibt, z.B. Stabtomaten, Kirschtomaten, Brokoli usw. für den Manila - Markt (teure Restaurants). Darüberhinaus experimentieren wir auch mit lokalen Sorten auf Bio-Basis für den lokalen Markt.

Zweck der Übung ist es, extrem hohen Profit zu machen, um so erheblich höhere Löhne zahlen zu können und Kapital für Expansionen zu generieren. Eine Gewinnbeteiligung der Arbeiter ist ebenfalls vorgesehen. Beim herkömmlichen Reisanbau kann ein Farmer maximal 25.000 Peso (ca. 410 EURO) Nettogewinn pro Hektar und Jahr (2 Ernten) erzielen. Beim Hochpreis-Gemüse kann sich das leicht verzig-fachen, wenn man es richtig anstellt...

Der springende Punkt ist: Wie schafft man es, möglichst viel Kapital vor Ort zu erwirtschaften und dieses Kapital auch innerhalb der örtlichen Wirtschaft zu halten? Bei den Reishülsen-Mauersteinen ist es ja so, daß bei der Produktion Zement (= Gewinne der Energiekonzerne) gespart und dafür mehr Lohn vor Ort gezahlt wird. Das muß per se gut sein. Beim Gemüse-Projekt ist es noch krasser: Durch Anwendungen von Kompost, Mischkulturen, Mulchsystem, örtlich vorhandene Materialien usw. bleibt fast der gesamte Umsatz vor Ort, da Ausgaben für Kunstdünger, Pestizide, Maschinen usw. weitgehend entfallen. Einzig das Saatgut ist teilweise importiert.

Der Transport nach Manila ist kein Problem, es gibt hier eine Spedition, die auch Kühlwagen hat und mehrere Fuhren pro Tag durchführt, Fahrzeit ca. 9 Stunden. Nachmittags geerntet, am nächsten Tag in Manila auf dem Restaurant-Mittagstisch. Aber auch in den nahegelegenen größeren Städten wie Naga, Pili, Iriga und Legaspi gibt es einen Markt für Qualitätsgemüse.

Über eine Sache habe ich lange nachgedacht: Neue Arbeitsplätze zu Niedrigstlöhnen bringen überhaupt nichts. Für Hungerlohn gibt es genug Arbeit hier, da brauche ich mir nur z.B. die Fahrrad-Rickschas anzuschauen. Meiner Meinung nach sind höhere Löhne Grundvoraussetzung für einen allgemeinen wirtschaftlichen Aufstieg. Aber diese Löhne wollen ersteinmal nachhaltig finanzierbar sein.

Bleibt die Quizfrage: Was ist mit den herkömmlichen Farmern, vor allem den Großgrundbesitzern, wenn unser Projekt zu Verwerfungen beim allgemeinen Lohngefüge führt? Unter keinen Umständen möchte ich mir hier Feinde machen! Es muß also stets eine Win-Win Situation gegeben sein. Auf jeden Fall haben wir da schon einige Ideen in der Schublade.

Ich stelle mir den langfristigen Ablauf in folgenden Phasen vor:

  1. Eigene Experimentier-Farmen aufbauen und selber betreiben.
  2. Subunternehmer gewinnen und schulen, evtl. Franchise o.ä.
  3. Exklusiv-Importeuer von einigen Saatgut Hersteller werden
  4. Auf eigenen Farmen nur noch neue Sorten testen und Setzlinge, Saatgut usw. produzieren
  5. Organisation der Vermarktung
  6. Aufbau von Weiterverarbeitungs-Betrieben, z.B. Konserven, Ketchup, Pflanzenöl usw.
  7. Aufbau eines eigenen Transportsystems

7.2.2006: Die ersten Arbeiten auf der künftigen Experimentier-Farm. Es stehen insgesamt ca. 6.500 qm zur Verfügung. Das Grundstück hat Staßen- Strom- Wasser- und Telefonanschluß und gehört meiner Frau. Es hat eine geschütze Lage, rundum stehen Bäume und Hecken. Z.Z. leben dort 4 Familien, damit können wir Probleme mit ungebetenen, nächtlichen "Erntehelfern" weitgehend minimieren.

Wir haben noch eine weitere Farm mit ca. 15 Hektar, ebenfalls voll erschlossen. Mögliche Expansionen werden also nicht an Platzproblemen scheitern.

13.2.2006: Das Ausschachten der "Kompostkanäle" beginnt. Dazu die endgültige exakte Vermessung des Geländes und Festlegung der Abstände zwischen den Pflanzreihen.

Jedes Detail wird notiert und im PC festgehalten. Es ist von entscheidender Bedeutung, daß sich später bei anderen Projekten alles reproduzieren lässt.

Der Teufel steckt im Detail. Es gilt, so profane Dinge wie die Abstellfläche einer Schubkarre bei der Bemessung der Reihenabstände zu berücksichtigen...

14.2.2006: Am 7. und 9. 2. haben wir insgesamt 16 Saatboxen mit jeweils einer Gemüsesorte bestückt, inzwischen grünt es in allen 16 Boxen. Ameisen und freilaufende Hühner sind die ärgsten Feinde. Deshalb haben wir als Standort die erste Etage unserer Baustelle ausgewählt.

14.2.2006: Das Expansionsgelände ist ca. 6.500 qm groß und z.Z. mit Mais bepflanzt. Die Ernte wird Ende April erwartet. Dann werden wir auch schon ausreichend Erfahrungen mit der Experimentierfarm haben, um entscheiden zu können, wie es weitergeht.

17.2.2006: Die ersten Schichten Kompostmaterial werden in die Kanäle eingefüllt. Die Bambusstangen sind insgesamt 3 Meter lang. Es ist nicht auszuschließen, dass sie einem Taifun standhalten können.

18.2.2006: Der erste Kanal ist mit insgesammt 22 Schichten Kompostmaterial (Kartoffelkraut, Reishülsen, Reisstroh, Schweinedung und Erde) gefüllt. Die endgültige Form wird das Hochbeet nach dem ersten Starkregen erhalten.

20.2.2006: Die ersten Setzlinge werden zur Experimentierfarm transportiert.

20.2.2006: Der Typ, der aufpasst dass die Bambusstange nicht umkippt, das bin ich.

21.2.2006: Die Setzlinge werden mit Bananenrinden vor der Sonne geschützt. Es sind schon kleinere Schäden durch die Hunde entstanden. Aber Hauptsache, alle Setzlinge (Buschbohne "Saxa") sind auf dem frischen Kompost angewachsen.

21.2.2006: Zum Glück liegt das Grundstück an einem Flußlauf, dort wächst jede Menge Bambus, ausreichend für ca. 50% unseres Erstbedarfes. Es entstehen uns also nur Lohnkosten.

24.2.2006: Langsam nimmt die Sache Gestalt an, ca. 70% der ersten Phase sind fertig. Die meisten der am 20.2. direkt ausgesäten Radieschen (Saxa 2) haben schon das Licht der Welt erblickt.

6.3.2006: Die Buschbohnen und Radieschen wachsen munter vor sich hin. Bei den Buschbohnen bilden sich bereits erste Blüten-Ansätze, Ausfallquote bislang 3%.

13.3.2006: Es sind schon über die Hälfte der insgesamt 26 Hochbeete bepflanzt. Die Beete bekommen Nummern.

13.3.2006: Das erste Beet ist mit einer Mulchschicht aus Reisstroh abgedeckt.

24.3.2006: Aus Nachbar's Reisfeld wird überschüssiges Wasser abgezapft. Dadurch werden die Gänge zwischen den Hochbeeten teilweise gefutet, um den Verlauf des Wassers festzustellen. In den Gängen werden dann Kanäle gegraben, um später die Schäden durch Überschwemmungen während der Regenzeit zu minimieren.

24.3.2006: Der erste Komposthaufen (Im Hintergrund zu sehen, der Haufen im Vordergrund ist herangeschafftes Reisstroh) wird angelegt. Bislang haben wir notgedrungen mit frischem Kompost arbeiten müssen. In ca. 6 Monaten, also rechtzeitig zur Regenzeit, dürfte der erste Kompost fertig sein. Spätestens dann beginnt die kommerzielle Phase des Projektes.

25.3.2006: Leckere Buschbohnen frisch vom Feld, Filipino-Geschmackstest 1A bestanden. Da schmecken die Tintenfisch - Ringe gleich doppelt gut.

2.4.2006: Der erste Komposthaufen ist fertig aufgeschichtet. Höhe ca. 150 cm, da reifen also schon einmal ca. 10 Kubikmeter Humuserde heran, dürfte in ungefähr 6 Monaten fertig kompostiert sein.

2.4.2006: Mangold - Spinat (links), Tomaten (mitte) und Kohlrabi (rechts) wachsen um die Wette. Beim Mangold - Spinat wird nächste Woche geerntet, dann ist auch mit den ersten Verkauserlösen zu rechnen. Die bereits geernteten Buschbohnen und Radieschen waren nur von geringer Menge, ist voll für den Eigenbedarf und Geschmackstest verbraucht worden.

30.4.2006: Der erste Prototyp für Pflanzkübel aus Reishülsen-Zement-Sand-Gemisch ist fertig, die Form ist eine Eigenentwicklung meines Schwagers Elmer L. Orfanel.

Die Herstellungskosten eines Kübels mit knapp 10 Liter Inhalt liegen bei ca. 0.90 EURO, in Serienfertigung wird es billiger.

10.5.2006: Am 13.4. bin ich nach Deutschland zurückgekehrt. Meine größte Sorge war, dass es nach meiner Abreise Probleme geben könnte. Wie man sieht, waren diese Befürchtungen bislang unbegründet.

In den letzten Wochen gabe es diverse Wetterextreme, u.a. große Hitze (36 Grad) und mehrere Wolkenbrüche. Es sind kleinere Schäden entstanden, die uns aber enorm weiterhelfen, in Zukunft entsprechende Schutzmaßnahmen zu entwickeln.

Inzwischen sind auch die ersten Kohlrabis geerntet und haben den Geschmacks-Test bestanden.

10.5.2006: Die ersten Tomaten in Kübeln sind bald erntereif.


So ungefähr soll die erste Phase aussehen, wenn sie fertig ist.


Zwischenbilanz nach 10 Monaten:

  • Jede ausgesähte Gemüsesorte hat zu fast 100% im Saatkasten gekeimt.
  • Fast jede in Plastikbeutel pikierte Pflanze hat überlebt.
  • Alle direkt ausgesähten Radieschen und Buschbohnen sind am Wachsen
  • Von 50 ausgepflanzten Zuckererbsen haben bislang 30 überlebt.
  • Über 500 ausgepfanzte Mangold - Spinat, Kohlrabi und Tomatensetzlinge sind angewachsen, Quote ca. 80%
  • Schädlingsbefall und Einsatz von Spritzmitteln bislang minimal.
  • Einer der größten deutschen Saatguthersteller hat uns zu Sonderkonditionen beliefert und technische Hilfe zugesagt.
  • Zahlreiche Experten sind über das Internet auf unser Projekt gestossen und helfen mit Rat und Tat.
  • Die vielen positiven E-Mail Kommentare sind unserer Motivation sehr förderlich.
  • Die ersten Radieschen und Buschbohnen sind geerntet und haben den "Filipino-Geschmacktest" bestanden.
  • Am 4.4. wurde der erste Schwung Mangold - Spinat auf dem örtlichen Markt verkauft, zu 20% höherem Preis als die lokalen Sorten
  • Wir haben bereits Konzepte für Verbesserungen bei der Landvorbereitung sowie dem Taifunschutz ausgetüftelt.
  • Ende Mai hatten wir den ersten Taifun, ca. 120 Km/h. Die in Kübeln gepflanzten Tomaten wurden an einem windgeschützten Ort gebracht und haben zu 100% überlebt. Die im Freiland direkt gepflanzten Tomaten hatten enorme Schäden. Das war eine extrem wichtige Erkenntnis.
  • Wegen des diesjährigen alle 7-8 Jahre auftretenden "El Nino" Wetterphänomens gab es in der zweiten Jahreshälte zahlreiche Taifune (bis zu 250 Km/h) und schwerste Regenfälle. Wegen der zu erwartenden Ernteschäden haben wir das Projekt in dieser Zeit ruhen lassen.
  • Die Methode mit den Bambuspfählen hat sich als unpraktikabel erwiesen, da der im Boden eingelassene Teil extrem schnell verrottet.
  • Seit Mitte Dezember wird wieder ausgesät, um ab Ende Januar 2007 mit den ersten Freilandpflanzungen im semi-kommerziellen Umfang zu beginnen.
  • Anfang Dezember hat ein benachbarter Farmer von uns 2 Hektar Land gepachtet, um ebenfalls Experimente mit Gemüse durchzuführen.

Autor: Jochen Binikowski - Stand: 24.12.2006

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