Da für die Herstellung von Kunstdünger große Mengen fossiler Energien benötigt werden, haben sich die Preise innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Das trifft die Farmer in Entwicklungsländern besonders hart. Daher laufen weltweit Forschungsprojekte auf Hochtouren, die einen Ersatz des Kunstdüngers bzw. eine Verbrauchsminderung zum Ziel haben.
Die philippinische Biologin Dr. Mercedes Umali-Garcia entwickelte ein neuartiges System: Sie fand heraus, dass eine bestimmte Bodenbakterie (azospirillum) Stickstoff aus der Luft bindet und den Pflanzen im Wurzelbereich verfügbar macht. Stickstoff ist der am meisten verwendete Dünger. Die Bakterien werden im Labor isoliert, vermehrt und dann in einem sterilen Trägermaterial gebunden. Dieses Grundmaterial wird in einem staatlichen Institut in der Nähe von Manila hergestellt und an mehrere zumeist staatliche Betriebe landesweit verschickt.
Einer dieser Betriebe befindet sich in Tigaon und gehört der Gemeinderegierung. Hier wird in einem speziellen Verfahren das Grundmaterial mit steriler Erde und Holzkohlepulver gemischt, verpackt und verschickt. Z.Z. deckt dieser Betrieb den Bedarf von Camarines Sur und 2 angrenzenden Provinzen ab.
Dieses pulverförmige Produkt trägt den Markennamen BIO-N. Das "N" steht für Nitrogen, also Stickstoff. Damit werden die Samen im Saatbeet sozusagen geimpft. Sobald sich erste Wurzeln bilden, siedeln sich die Bakterien dort an und vermehren sich mit zunehmenden Wurzelwachstum. Die Bakterien bilden also eine Art Symbiose mit dem Wurzelwerk und binden den Stickstoff genau dort, wo er gebraucht wird.
Es werden dazu nur geringe Mengen benötigt, z.B. für die erforderlichen Setzlinge für 1 Hektar Reisland etwa 5-6 Packungen zu je 200 Gramm. Der Preis pro Packung beträgt 60 Peso, also ca. 0,85 EURO. In den bisherigen Reis- und Mais Experimenten landesweit konnte durch den Einsatz von BIO-N im Schnitt 50% Kunstdünger eingespart werden, das sind bei derzeitigen Preisen ca. 2.000 Peso pro Hektar. Netto spart der Farmer also ca. 1.000 Peso ein.
Wir haben das selber ausprobiert und unsere Reis-Testpflanzung brachte das prognostizierte Ergebnis. Wir haben zusätzlich BIO-N noch mit einer Holzkohle/Kompostmischung kombiniert und dabei ohne jeglichen Kunstdünger ein etwas besseres Ergebnis erzielt als die Standard-Anwendung BIO-N + 50% Kunstdünger. Z.Z. laufen überall im Land entsprechende Experimente auch mit anderen Nutzpflanzen. Auch bei uns. Wir testen u.a. Tomaten, Chili, Squash, Zuchini, Auberginen, Salat, Senf, Mangold, Zwiebeln, Paprika und Chinakohl. Die Versuche laufen noch, es liegen noch keine Endergebnisse vor, aber es sieht bislang fast alles sehr gut aus.
Wir arbeiten dabei eng mit dem BIO-N Betrieb in Tigaon zusammen und sind schon ein wenig stolz, Teil dieses wichtigen Forschungsvorhabens zu sein. Ähnliche Projekte laufen auch in vielen anderen Ländern und es besteht die berechtigte Aussicht, dass der zukünftige Kunstdüngerbedarf mit allen seinen negativen Begleiterscheinungen drastisch reduziert werden kann.
Leider bin ich kein Biologe. Deshalb kann ich dieses komplexe Thema nur ziemlich laienhaft beschreiben. Auf unserer Link-Seite finden Sie viele weitere Informationen.
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Produktionsablauf im BIO-N Betrieb in Tigaon